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Der weite Planetenweg zum nächsten Stern

In einem meiner anderen Blogs habe ich über den Planetenweg in meiner Heimatstadt Würzburg geschrieben. Auf einer etwa 2,5 Kilometer langen Strecke kann man die Planeten im Maßstab 1: 2 Milliarden ablaufen.

Der Jupiter auf dem Planetenweg in Würzburg. Zum nächsten extrasolaren Stern wären es in diesem Maßstab etwa 20000 Kilometer.
Der Jupiter auf dem Planetenweg in Würzburg. Zum nächsten extrasolaren Stern wären es in diesem Maßstab etwa 20000 Kilometer.

So ein Planetenweg gibt einen guten Eindruck über die Entfernungen im Sonnensystem. Ich wurde auf den Blogbeitrag von verschiedenen Leuten angesprochen, und einmal ging es darum, wie weit der nächste Stern auf diesem Planetenweg in dem Maßstab vom Sonnensystem weg sei. „So bei Frankfurt wird er sein“, wurde geschätzt, also gut 100 Kilometer.

Das Weltall ist groß — RICHTIG groß

Die Abstände im Weltall werden gerne unterschätzt. Das Universum ist in erster Näherung schlicht und einfach leer, weil die Entfernungen für menschliche Maßstäbe so unglaublich groß sind.

Das sieht man an diesem Beispiel: Unser nächster Sternen-Nachbar ist aktuell Proxima Centauri, 4,2 Lichtjahren entfernt. Auf dem Planetenweg müsste man eine ganze Ecke weit laufen: die Erde hätte man nach 75 Metern passiert, den Neptun nach 2,2 Kilometern — und dann sollte man sich die Waden massieren und die Wandersocken hochziehen. Denn bis Proxima Centauri sind es noch etwa 20 000 Kilometer, einmal halb um die Erde herum. Ein durchschnittlicher Fußgänger bräuchte 229 Tage für diesen Planeten-und-Proxima-Weg.

Alle Planeten auf einem Lineal

Der nächste Nachbarstern unserer Sonne: Proxima Centauri, aufgenommen vom Hubble Space Telescope. <small>Foto: <a href="https://www.nasa.gov/content/goddard/hubbles-new-shot-of-proxima-centauri-our-nearest-neighbor/#.WONiP_nyjIU">ESA/Hubble & NASA</a></small>
Der nächste Nachbarstern unserer Sonne: Proxima Centauri, aufgenommen vom Hubble Space Telescope. Foto: ESA/Hubble & NASA

Oder anders herum: Setzt man Proxima Centauri an des Ende des 2,5-Kilometer langen Sterne-und-Planetenwegs, dann ist in dem neuen Maßstab 1:16 Billionen die Erde nicht mal einen Zentimeter von unserer Sonne entfernt, Neptun als letzter Planet des Sonnensystems schafft es auf einen viertel Meter. Auf einem normalen Lineal könnte man also alle Planeten des Sonnensystems abfeiern. Und dann eben, 2500 Meter weiter, kommt man zu Proxima Centauri — dazwischen ist im wirklichen Weltall abgesehen den Restausläufern des Sonnensystems nur extrem dünn verteilte interstellarer Materie.

Wir leben auf einer dieser verrückten und vernachlässigbaren Dichteschwankungen in einem eigentlich leeren Universum.